Politischer Islam und Kulturdialog mit dem Iran

Verwiesen sei auf eine Tagung am 23. November 2013 an der Humboldt Universität zu Berlin, die unter dem Titel »Politischer Islam und Kulturdialog mit dem Iran. Tagung zum Verhältnis von Kultur, Politik, Gewalt und Islam« stattfindet.

Die Ta­gung soll einen kri­ti­schen Ein­blick ver­schaf­fen so­wohl in in­ne­ris­la­mi­sche theo­re­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die sich um die Frage der Le­gi­ti­mi­tät po­li­ti­scher Ge­walt dre­hen, als auch be­leuch­ten, wie diese Aus­ein­an­der­set­zun­gen in sä­ku­la­ri­sier­ten, post­mo­der­nen Ge­sell­schaf­ten, bei­spiels­wei­se der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, ge­führt wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund wer­den Ana­ly­sen vor­ge­stellt, die sich – am Bei­spiel des Kul­tur­di­alogs mit dem ira­ni­schen Re­gime und des Ge­schlech­ter­ver­hält­nis­ses im Iran – kon­kret der ak­tu­el­len kul­tu­rel­len und po­li­ti­schen Lage so­wohl in Deutsch­land als auch dem Iran wid­men. Au­ßer­dem sol­len die engen Ver­bin­dun­gen dar­ge­stellt und un­ter­sucht wer­den, die auf allen ge­sell­schaft­li­chen Ebe­nen mit dem ira­ni­schen Re­gime be­ste­hen.

Das Programm ist auf der Seite von Zweifel & Diskurs zu finden, ebenso auf Facebook.

Zur Wohnungsfrage und Zum Elend des Studentenmilieus

Hingewiesen sei auf zwei Veranstaltungen, die an der Humboldt Universität zu Berlin stattfinden. (PS: Die Reihenfolge der Veranstaltungen wie der Raum am Donnerstag haben sich geändert und sind nun wie unten stehend.)

Elend des Studentenmilieus

1966 wurde in Straßburg eine Flugschrift verbreitet, deren Titel »Über das Elend im Studentenmilieu – betrachtet unter seinen ökonomischen, politischen, sexuellen und besonders intellektuellen Aspekten und über einige Mittel, diesem abzuhelfen« lautete. Die Kritik des studentischen Bewusstseins und dessen Erscheinung im »lifestyle« ist heute ebenso nötig wie vor über vier Jahrzehnten. Dort hieß es: »Wie ein stoischer Sklave glaubt der Student sich umso freier, je mehr alle Ketten der Autorität ihn fesseln. Genau wie seine neue Familie, die Universität, hält er sich für das gesellschaftliche Wesen mit der größten ›Autonomie‹, während er doch gleichzeitig und unmittelbar von den zwei mächtigsten Systemen der sozialen Autorität abhängt: der Familie und dem Staat. Er ist ihr ordentliches und dankbares Kind.« Dass das studentische Bewusstein sich ganz im Einklang mit der gesellschaftlichen Tendenz dem Ideal der Infantilität, der Eskamotierung des Bewusstseins, annähert und so das ideale Konkurrenzsubjekt wird, geht einher mit dem verbissenen »fun«, der von den Studentenpartys bis zur Universität als Spielplatz und als Catwalk, propagiert wird. Die Veranstaltung wird sich diskutierend der Kritik des Elends des Studentenmilieus widmen.

7. November 2013 – – – 18:30 Uhr
Humboldt Universität zu Berlin
Unter den Linden 6 – – – Raum 3038

Zur Wohnungsfrage

Die Wohnungsfrage ist in aller Munde – auch an der Universität. Proteste werden initiiert, Bündnisse geschlossen, Aktionswochen veranstaltet, Wink-Elemente gebastelt, Demonstrationen organisiert. Hatte schon Engels 1873 die kleinbürgerliche Kritik der Wohnungsnot, namentlich von Proudhon vertreten, kritisieren müssen, so ist dies heute nicht weniger nötig. Wenn sich Studierende gegen zu hohe Mieten zusammen schließen, um Forderungen an den Staat zu stellen, erweist sich der sogenannte Protest als Präsentation der Staatsbürgertugenden in sozialdemokratischer Tradition. Dies scheint auch mit einem fehlenden Begriff des Gegenstandes zusammenzuhängen. Zwar wird bei den Protestgrüppchen auch ein Zusammenhang von Wohnungsnot und Kapitalismus behauptet, aber weder nachvollzogen noch kritisiert, sodass der theoretischen Blindheit auch die politische folgt: Die Flucht zum starken Souverän, der vorm mysteriösen Kapital schützen soll. In der Veranstaltung hingegen geht es um die begriffliche Kritik, die Darstellung des Zusammenhangs der Ökonomie von Grund, Boden und Miete.

8. November 2013 – – – 18:30 Uhr
Humboldt Universität zu Berlin
Dorotheenstraße 26 – – – Raum 207

Vortrag VI

»Sagen, was sich eigentlich nicht sagen lässt«. Über Sprachlosigkeit und materialistische Sprachkritik

Immer wieder wurde in der Moderne ein Verlust, Verarmen oder Scheitern der Sprache diagnostiziert. Die Avantgarden reagierten auf den Ersten Weltkrieg mit der programmatischen Zertrümmerung der Sprache. Im Angesicht des jeglichen kategorialen Rahmen sprengenden Holocausts sowie der Kontaminierung besonders der deutschen Sprache kämpfte Gesellschaftskritik mit einem Problem, dem Paul Celan lyrischen Ausdruck gab: »Welches der Worte du sprichst – / du dankst / dem Verderben.« Gegenwärtig leidet das kritische Ausdruckspotential der Sprache sowohl unter der maßlosen konstruktivistischen Überschätzung ihrer Wirkmacht als auch unter einer sprachlichen Inflation, die sich in einem postmodernen Jargon der Beliebigkeit, der Akademisierung von Kritik etc. niederschlägt. Die Erfahrung der Sprachlosigkeit verweist auf ein grundlegendes sprachphilosophisches Problem: man kann, was selbst nicht begrifflicher Natur ist, immer nur mit Begriffen ausdrücken. Doch die Reflexion auf die Grenzen der Sprache war immer wieder Anlass für Versuche, dem Verstummen etwas entgegenzusetzen. Ausgehend von der gesellschaftskritischen Einsicht, »dass die Sprache die Sprechenden nochmals einsperrt; dass sie als deren eigenes Medium eigentlich misslang« (Adorno) fragt Sprachkritik immer auch nach den Ausdruckspotentialen, die der Verdinglichung und Zurichtung der Sprache noch zu entreißen sind. Nur über die immanente Kritik der Sprache, die sich der ideologischen Funktion von Begriffen und Metaphern, Sätzen und Urteilen, schließlich dem stets drohen »Aufbruch der Phrase zur Tat« (Karl Kraus) widmet, lässt sich die Frage nach einer Sprache der Kritik stellen. Das möchte der Vortrag tun, indem er Elemente einer ideologiekritisch motivierten, materialistischen Begriffs- und Metaphernkritik diskutiert.

Sebastian Tränkle

18. Juli 2013 – – – 19:30 Uhr
Humboldt Universität zu Berlin
Unter den Linden 6 – – – Raum 2002

Vortrag V

»Wirf‘ weg, damit Du gewinnst«. Metaphysik bei Adorno

Der Vortrag muss leider ausfallen und wird bei Gelegenheit nachgeholt werden.

Eine Übersicht über alle weiteren Veranstaltungen gibt es hier und auf Facebook.

Votrag IV & Tagesseminar II

Kalkül und Wahn, Vertrauen und Gewalt. Vor dem Ausnahmezustand des Kpaitals

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Gleichwohl: Die Gesellschaft der totalen Konkurrenz ist in heller Panik, sie wird sich zersetzen und zerstören. Unmöglich noch kann sie die Bedingung der Möglichkeit ihrer eigenen Existenz aus sich selbst heraus reproduzieren: der vollendet autistische Selbstbezug des Kapitals, die losgelassene Akkumulation um der Akkumulation willen, die »Plusmacherei« (Marx) rutscht ins historische Minus, zerbricht an sich und eben daran, dass die Gesellschaftlichkeit der Individuen als Subjekte bloß auf dem generalisierten Ausschluss aller durch alle gründet, der, eben in den Formen von Wert, Geld, Kapital den totalen Einschluss stiftet, d.h.: die gesellschaftliche Synthesis als vollendet negative. Das ist gewiss paradox: die unbedingte gesellschaftliche Einheit in der Form des totalisierten Atomismus; ein Paradox jedoch, das im Geld dingliche Gewalt annimmt und als »logisches Rätsel« (FAZ) erscheint. In der Panik wird sich die falsche Gesellschaft ihres eigenen Widersinns inne, allerdings in einer nur noch verrückteren Form, einer Form, die das bankrotte Kalkül der Ökonomie vermittels des Wahns der Politik zu therapieren verspricht, tatsächlich zu überbieten sucht: der Form eines paranoiden Souveräns, der den Triumph des Willens über den kapitalen Sachzwang beschwört und so gerade die »Angst vor dem Chaos« schürt, darin die Flucht nach vorn anpeitscht und so auf den autoritären Staat provoziert, auf den Ausnahmezustand, d.h. auf die ursprünglich faschistische Situation: denn nichts anderes ist der »Preis des Marktes« als das politisch, vermittels des Gewaltmonopols auf Leben und Tod erzwungene Opfer der Individuen.

Joachim Bruhn

5. Juli 2013 – – – 19:30 Uhr
Humboldt Universität zu Berlin
Dorotheenstraße 26 – – – Raum 207

Anmeldungen für das Tagesseminar »Kritik und Krise. Der Anfang des Marxschen Kapitals und das Ende der kapitalisierten Gesellschaft« am 6. Juli mit Joachim Bruhn bitte per Mail. Die Adresse findet sich unter Kontakt.

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