20 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda

Ein Hinweis auf eine Veranstaltungsreihe zu dem Thema »20 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda« an der Humboldt Universität Berlin.


Handschlag mit dem Teufel. General Roméo Dallaire und der Völkermord in Ruanda

Dokumentarfilm (2014) mit kurzer Einführung

Der Film zeigt die tragische Geschichte von General Roméo Dallaire, der 1994 als Kommandant der UN-Friedensmission in Ruanda gezwungen war, machtlos den Mord an über 800.000 Tutsis und moderaten Hutus in weniger als 100 Tagen anzusehen. Die internationale Gemeinschaft sah währenddessen untätig weg und verweigerte ihre Unterstützung. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bericht und Buch Roméo Dallaires und verwendet Aufnahmen aus dem Jahre 1994 wie der ersten Rückkehr von Dallaire nach Ruanda 2004.

22. April 2014 – – – 19:30 Uhr
Humboldt Universität zu Berlin
Unter den Linden 6 – – – Raum 3038

Ruanda und die Folgen – Anatomie eines Völkermords
Vortrag von Hans Christoph Buch (Berlin / Erzähler, Essayist, Reporter)

Am 6. April 1994 wurde ein Flugzeug, das sich im Landeanflug auf Kigali, die Hauptstadt des zentralafrikanischen Staates Ruanda, befand, von zwei Boden-Luft-Raketen abgeschossen. An Bord waren sowohl der Staatspräsident von Ruanda als auch der des südlichen Nachbarlandes Burundi. Der Sender RTLM spielte Bruckners 7. Sinfonie. Es war der Auftakt für einen grausamen Genozid. Bis Mitte Juli des Jahres wurden über 800.000 Tutsis und moderate Hutus ermordet. Doch die Folgen des Völkermords dauern bis heute – wie die Situation im Kongo zeigt.
Hans Christoph Buch berichtet seit Jahren aus afrikanischen Krisenregionen, er hat zahlreiche Bücher über Afrika veröffentlicht. Sein Roman »Kain und Abel in Afrika« ist eine literarische Auseinandersetzung mit Ruanda.

24. April 2014 – – – 19:30 Uhr
Humboldt Universität zu Berlin
Dorotheenstraße 26 – – – Raum 207

Dass nichts Ähnliches geschehe – Kritische Theorie nach der Wiederholung
Vortrag von Felix Riedel (Marburg / Ethnologe und Autor)

Das Paradigma von der Singularität von Auschwitz erfuhr eine essentialistische Dekontextualisierung, die paradoxe Ideologien der Nichtintervention erzeugte. Nicht zur Beunruhigung dient die Rede von der Singularität mehr, sondern zur Beruhigung. Was es für Kritische Theorie heute bedeutet, dass Auschwitz sich nicht als Kopie wiederholen kann, sich aber als allzu »Ähnliches« mehrfach wiederholte, wird an einigen Ideologemen aufgezeigt, die in der vermeintlichen oder tatsächlichen Tradition Kritischer Theorie entstanden. Der Genozid in Ruanda stellt konventionelle marxistische Ableitungen ebenso in Frage, wie er die extreme Kränkung produzierte: Dass Gesellschaftskritik – als notorisch unorganisierte oder in Einzelwissenschaften wie »genocide studies« und »holocaust studies« neutralisierte – in den Jahrzehnten nach Auschwitz nicht einmal Genozide ähnlichen Ausmaßes vorab zu bestimmen und zu verhindern wusste.

25. April 2014 – – – 19:30 Uhr
Humboldt Universität zu Berlin
Dorotheenstraße 26 – – – Raum 207