Archiv für Juni 2013

Votrag IV & Tagesseminar II

Kalkül und Wahn, Vertrauen und Gewalt. Vor dem Ausnahmezustand des Kpaitals

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Gleichwohl: Die Gesellschaft der totalen Konkurrenz ist in heller Panik, sie wird sich zersetzen und zerstören. Unmöglich noch kann sie die Bedingung der Möglichkeit ihrer eigenen Existenz aus sich selbst heraus reproduzieren: der vollendet autistische Selbstbezug des Kapitals, die losgelassene Akkumulation um der Akkumulation willen, die »Plusmacherei« (Marx) rutscht ins historische Minus, zerbricht an sich und eben daran, dass die Gesellschaftlichkeit der Individuen als Subjekte bloß auf dem generalisierten Ausschluss aller durch alle gründet, der, eben in den Formen von Wert, Geld, Kapital den totalen Einschluss stiftet, d.h.: die gesellschaftliche Synthesis als vollendet negative. Das ist gewiss paradox: die unbedingte gesellschaftliche Einheit in der Form des totalisierten Atomismus; ein Paradox jedoch, das im Geld dingliche Gewalt annimmt und als »logisches Rätsel« (FAZ) erscheint. In der Panik wird sich die falsche Gesellschaft ihres eigenen Widersinns inne, allerdings in einer nur noch verrückteren Form, einer Form, die das bankrotte Kalkül der Ökonomie vermittels des Wahns der Politik zu therapieren verspricht, tatsächlich zu überbieten sucht: der Form eines paranoiden Souveräns, der den Triumph des Willens über den kapitalen Sachzwang beschwört und so gerade die »Angst vor dem Chaos« schürt, darin die Flucht nach vorn anpeitscht und so auf den autoritären Staat provoziert, auf den Ausnahmezustand, d.h. auf die ursprünglich faschistische Situation: denn nichts anderes ist der »Preis des Marktes« als das politisch, vermittels des Gewaltmonopols auf Leben und Tod erzwungene Opfer der Individuen.

Joachim Bruhn

5. Juli 2013 – – – 19:30 Uhr
Humboldt Universität zu Berlin
Dorotheenstraße 26 – – – Raum 207

Anmeldungen für das Tagesseminar »Kritik und Krise. Der Anfang des Marxschen Kapitals und das Ende der kapitalisierten Gesellschaft« am 6. Juli mit Joachim Bruhn bitte per Mail. Die Adresse findet sich unter Kontakt.

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Vortrag III & Tagesseminar I

Gegenwärtige Vorgeschichte. Versuch einer Standortbestimmung

Kritische Theorie, die vielen überholt dünkte, bleibt aktuell, weil blind wirkendes Naturgesetz und gesellschaftlich organisierter Wille ineinander übergehen. Die Vorstellung, dass mit dem Ende des Kapitalismus auch das Ende der Vorgeschichte erreicht wäre, scheint heute nicht mehr haltbar. Wenn der Kapitalismus gegenwärtig vor einem Auflösungsprozess steht, passiert dies nicht auf Grund der bewussten Handlung lebendiger Subjekte, sondern auf Grund der inneren Widersprüchen des »automatischen Subjekts« und der materiellen Widerstände einer Welt, die nicht grenzenlos ausbeutbar ist. Angesichts der Verrohung sozialer Verhältnisse, der enormen Opfer, die das immer mühseligere Weitergehen des business as usual fordert, scheint die Kritik der »Pathologien« der Moderne und der Vernunft bereits eine arge Verharmlosung. Kritische Theorie sieht sich heute genötigt, eine neue Stufe der Vorgeschichte zu begreifen, in der das Misslingen von Subjektivität und Geschichte gewaltsam zutage tritt: Was heißt das für die Theoriebildung, für die Fähigkeit zur Einsicht überhaupt? Wie wirkt das auf die subjektiven Triebkräfte der Kritik? Wie verändert sich unter diesen Bedingungen die Möglichkeit von Erfahrung? Bei aller Dringlichkeit einer gesellschaftstheoretischen Reflexion, die seinem Gegenstand gerecht wird, muss auch die Ohnmacht reiner Theorie mitreflektiert werden: »Für Kontemplation scheint es zu spät«.

Jordi Maiso

27. Juni 2013 – – – 19:30 Uhr
Humboldt Universität zu Berlin
Dorotheenstraße 26 – – – Raum 207

Anmeldungen für das Tagesseminar am 28. Juni mit Jordi Maiso bitte per Mail. Die Adresse findet sich unter Kontakt.

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Mitschnitte

Die Mitschnitte der Vorträge sind ab jetzt auf der Seite wie im AudioArchiv zu finden. Herzlichen Dank an das AudioArchiv.

Vortrag II

Fetzen kritischer Theorie in Zeiten konstitutiver Überflüssigkeit. Zur Stellung der Überbleibsel des Denkens zum stacheligen Objekt

Soll (kritische) Theorie zumindest die Spuren einer aufgehobenen Agitation an sich tragen – den Stachel des Widerstandes sich nicht selbst abbrechen; soll sie trotz aller Ohnmacht des Einzelnen sowie der Verstelltheit von Praxis doch den Charakter des Eingriffs nicht ganz verlieren, so ist sie wesentlich angewiesen auf eine Reflexion des geschichtlich-konkreten Konstitutionszusammenhangs der Gesellschaft und der zeitgenössischen Formen des Überlebens.
Problematisch wird diese Reflexion auf die konstitutive Objektivität zu einem Zeitpunkt, in dem die vollkommene Überflüssigkeit eines jeden Individuums zur unhintergehbaren Grundlage des gesamten Erfahrungshorizonts geworden ist: während der fortherrschende Hunger in den Elendsregionen dieser Welt sowie das qualvolle Verenden in jenen Regionen solche Überflüssigkeit von »Menschenmaterial« unmittelbar bewusst werden lässt und deswegen nicht zu sehr ins Bewusstsein eindringen darf; während die unendlich angewachsene Überflüssigkeit derjenigen, die für einen Hungerlohn bereit sind – oder gewaltvoll gezwungen werden –, ihre leibliche Existenz der materiellen Produktion von Schund und Ungenießbarem zu opfern, das dann andernorts lusttötend konsumiert wird; während sich die Überflüssigkeit sogar derer, die bereit sind nicht nur ihre Arbeitskraft zu verwursten, sondern selbstvergessen auch ihre Überbleibsel von lebendigem Impuls – letztlich jede Form von Hoffnung auf Glück – in der Produktion von synthetischem Sinn abzutöten, sich an deren wahnhafter Selbstanpreisung ablesen lässt; – in einem solchen Zusammenhang würde eine Formulierung Adornos negativ an den zu durchschlagenden Bann erinnern, dessen Auflösung kritische Theorie inhaltlich antreibt: »Zart wäre einzig das Gröbste: daß keiner mehr hungern soll.« (mehr…)

Vortrag I

Überlegungen zur Kritischen Theorie

Die Kritische Theorie der Gesellschaft, wie Max Horkheimer in seinem Aufsatz „Traditionelle und kritische Theorie“ schreibt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die realen gesellschaftlichen Verhältnissen zu analysieren und die Frage nach der Möglichkeit von Freiheit zu stellen, deren Verwirklichung heute unmöglich erscheinen muss. Die Spannung zwischen der Hoffnung auf Glück und Freiheit und deren verpasster Verwirklichung stellt eine paradoxe Grundfigur der Kritischen Theorie dar. Der Vortrag möchte diese und einige weitere Motive des Kritischen Denkens, insbesondere Theodor W. Adornos, Max Horkheimers und Walter Benjamins, einführend beleuchten.

Nina Rabuza & Martin Mettin

13. Juni 2013 – – – 19:30 Uhr
Humboldt Universität zu Berlin
Dorotheenstraße 26 – – – Raum 207

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